73 Prozent der Deutschen haben Sparbücher

Dienstag den 1.07.2014

Angst vor Risikoanlagen weiter hoch

Die Zinsen, die es aufs Sparbuch gibt, sind längst im Keller. Wie die Union Investment Studie zum Anlegerverhalten im 2. Quartal 2014 zeigt, stört dies die Bundesbürger augenscheinlich wenig. Immer noch haben 73 Prozent der Deutschen Sparbücher und setzen trotz Minizinsen auf das Altvertraute.

Bundesbürger scheuen das Risiko bei der Geldanlage

Die Deutschen haben kaum Finanzkenntnisse und setzen deshalb lieber auf das Altbekannte wie das Sparbuch, den Bausparvertrag und die Kapitallebensversicherung. Dadurch verlieren sie Jahr für Jahr an guten Zinsen. Je nach Verzinsung ist diese längst in einer negativen Realverzinsung und damit im Minus angekommen. Der Bundesbürger zahlt damit drauf, weil er nach wie vor das Risiko bei der Geldanlage scheut. Dennoch wird der alte Weg weitergegangen, auch aufgrund der mangelnden Kenntnisse und des geringen Informationsbedürfnisses seitens der Anleger.

Zu lange den Beratern der Hausbank vertraut?

Die mangelnden Finanzkenntnisse kommen nicht von ungefähr. Das Obrigkeitsdenken in unserem Land hat sich leider über die Jahrzehnte auch über den Bereich der Geldanlagen ausgestreckt. Das heißt, was der Berater von der Hausbank sagt, wird schon stimmen. Er hat ja die Ahnung, ich nicht. Doch genau dieses Denken ist fatal, führt es doch seit Jahren dazu, dass viele Ersparnisse den Bach runtergehen, weil man die Zügel aus der Hand gegeben hat. Ohne sich selbst zu informieren und sein Geld so anzulegen, dass es höhere Zinsen bringt und das Vermögen damit Jahr für wächst – anstatt wie in den letzten Jahren stetig weiter zu schrumpfen.

73 Prozent der Deutschen halten Sparbücher

Das Sparbuch ist nach wie vor der Bundesbürger liebstes Kind, wenn es um das Sparen geht. Darauf werden mitunter horrend hohe Beträge gehortet, für die es von Jahr zu Jahr immer niedrigere Zinsen gibt. Längst gehört es zum Alltag in Deutschland, dass es für Sparbücher Zinsen jenseits der 1,00 Prozent p.a. gibt, oftmals sogar nur noch knapp über 0,00 Prozent p.a. Selbst wenn die Inflationsrate derzeit niedrig ist, bedeutet dies eines: Die Verzinsung ist negativ, der Sparer zahlt für sein Sparen auf dem Sparbuch drauf, und nur die Bank verdient daran.

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54 Prozent der Deutschen haben einen Bausparvertrag

Der Bausparvertrag hat in seiner Geschichte viele Stationen durchlaufen. Von der perfekten Anlageart des kleinen Mannes über das irgendwann verstaubte Image bis hin zu einem Imagewandel als DIE Möglichkeit, für ein späteres Eigenheim zu sparen – günstiger Baukredit natürlich inklusive. Dann wendete sich das Blatt. Die Zinsen für Baufinanzierungen sanken auf ein historisches Tief, die Sparzinsen gaben massiv nach und Bausparverträge lohnten sich kaum mehr. Dennoch halten immer noch 54 Prozent der Deutschen einen Bausparvertrag für rentabel. Immerhin werfen die Altverträge noch gute Zinsen ab in der Ansparphase und Haltephase, was bei Neuverträgen nicht der Fall ist.

Gut die Hälfte der Bundesbürger hat eine Kapitallebensversicherung

An dritter Stelle der Lieblingsanlagen der Deutschen steht die Kapitallebensversicherung mit 51 Prozent. In den letzten Jahren sind die Konditionen für diese Form der Altersvorsorge immer schlechter geworden. Dennoch halten die Bundesbürger an ihrer Kapital bildenden Lebensversicherung fest, als gäbe es keine Alternative dazu. Doch die Reform der Lebensversicherung naht, was die Bedingungen für Neuverträge noch schlechter machen wird wie bisher und auch die bisher guten Altverträge belasten wird. Ob dies zu einer Abkehr von dieser Anlageart führen wird? Es bleibt zu hoffen, zu erwarten ist es eher nicht.

Hoher Bedarf an Aufklärungsarbeit

„Das fehlende Finanzwissen und die hohe Risikoaversion der Anleger sind ein Indiz dafür, dass noch eine Menge Aufklärungsarbeit in Sachen optimale Vermögensstrukturierung geleistet werden muss“, sagt der Geschäftsführer von Union Investment, Giovanni Gay, und trifft dabei die zwei wichtigsten Nägel auf den Kopf. Die Frage ist: Wer will diesen hohen Bedarf an Aufklärungsarbeit decken?

  • Die Banken? Sicher nicht. Verdienen doch gerade sie gut daran, dass die Menschen hohe Anteile ihrer Ersparnisse in zu niedrig verzinsten Finanzprodukte anlegen.
  • Der Staat? Sicher auch nicht. Diesem ist es egal, was Otto Normalverbraucher mit seinem Geld macht, solange die Versicherungen und Co. gut davon leben können. Was die Reform der Lebensversicherung ja zeigt, von welcher die Versicherer profitieren, bei der die Versicherten aber geschröpft werden.

Geringe Bereitschaft zur Beschäftigung mit der Geldanlage

Der Bundesbürger setzt auf

  1. Sparbuch,
  2. Bausparvertrag und
  3. Kapitallebensversicherung

und bekommt dafür oftmals kaum etwas an Zinsen zurück. Dennoch ist die Bereitschaft zur Beschäftigung mit der Geldanlage gering, wie die Fondsgesellschaft Union Investment in ihrer aktuellen Studie zum Anlegerverhalten herausfand. „Lediglich 31 Prozent nehmen das Niedrigzinsumfeld zum Anlass, ihre Anlageformen zu überprüfen. Die allgemeine Zurückhaltung beruht zum einen auf Desinteresse und zum anderen auf mangelnden Kenntnissen. So setzen sich nur 19 Prozent der Befragten gerne mit Finanzangelegenheiten auseinander. 53 Prozent hingegen meiden dies lieber.“, heißt es dazu in der die Veröffentlichung der Studie begleitenden Pressemitteilung. Damit zeigen mehr als die Hälfte der Bundesbürger keine Bereitschaft, sich mit dem Thema Geldanlage zu befassen. Läuft dann jedoch was schief, wird schnell nach dem Staat geschrien, wie am Beispiel der Prokon-Pleite gut zu erkennen war.

Schlechte Finanzkenntnisse bei den jungen Erwachsenen

Besonders erschreckend bei den Ergebnissen der Union Investment-Studie zum Anlegerverhalten im 2. Quartal dieses Jahres sind die schlechten Finanzkenntnisse in der Altersgruppe von 20 bis 29 Jahren.

  • 59 Prozent der Befragten in dieser Gruppe haben nach eigenen Angaben keine guten Kenntnisse in Sachen Geldanlage.
  • Nur 14 Prozent gaben an, über gute Kenntnisse im Bereich Finanzen zu verfügen. Dies bedeutet, dass den Bundesbürgern dieser Altersgruppe andere Themen wichtiger sind. Doch werden gerade sie es sein, bei denen bereits jetzt davon ausgegangen werden kann, dass sie ohne eine gute Private Altersvorsorge im Rentenalter in finanzieller Hinsicht sehr dumm dastehen werden.

Bessere Werte bei den ab 40-Jährigen

  • Bei den 40- bis 49-Jährigen liegt der Wert bei den Befragten, die glauben, sich bei der Geldanlage gut auszukennen, bei 16 Prozent.
  • Deutlich höher liegt diese Marke mit 24 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen. Dies zeigt gleichzeitig das Bild auf, dass die Bundesbürger, je älter sie sind, umso bessere Finanzkenntnisse besitzen. Dennoch ist die Zahl, die bei nicht einmal einem Viertel der Befragten in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen liegt, erschreckend. Zeugt sie doch davon, dass der Bereich Geldanlage auch bei den älteren Bundesbürgern nur ein Nischenthema ist.

Sicherheit statt Rendite

Der Bundesbürger spart trotz niedriger Zinsen immer noch gerne. Nur scheut er dabei, wie all die Jahre davor, nur zu gerne das Risiko. Lieber wird auf Sicherheit gesetzt, anstatt sich auf die Suche nach Anlagearten zu begeben, mit denen eine Rendite erwirtschaftet werden kann. Laut der Studie zum Anlegerverhalten steht bei 63 Prozent der Bundesbürger an erster Stelle der Aspekt der Sicherheit. Sogar nur für zwei Prozent spielen steuerliche Vorteile eine Rolle. Laut Union Investment halten es nur 30 Prozent, und damit nicht einmal jeder dritte Deutsche, „für sinnvoll, zumindest einen kleinen Teil seiner Ersparnisse in chancenreichere Anlagen zu investieren“, so eines der Ergebnisse der Studie zum 2. Quartal dieses Jahres. Dabei können sich vor allem die Befragten aus der Altersgruppe von 20 bis 29 Jahren laut Union Investment „am wenigsten mit dem Gedanken anfreunden, eine Streuung ihres Vermögens über verschiedene Anlageklassen vorzunehmen“. Nur zehn Prozent sehen in der Beimischung von chancenreicheren Anlagen ein sinnvolles Anlegerverhalten. Dem hingegen sehen 51 Prozent der Befragten hierin keinen Nutzen.

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Junge Anleger müssen umdenken

Es sind klare Worte, die der Geschäftsführer von Union Investment, Giovanni Gay, hierzu findet: „Dabei muss gerade die junge Generation angesichts sinkender Renten in chancenreichere Anlagen, wie beispielsweise Aktien, investieren und von den langfristigen Chancen profitieren. Denn je mehr Zeit zur Verfügung steht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch größere Kursrückschläge wieder aufgeholt werden“. Wird der Kurs der jungen Generation so weiter gefahren, wird es eines Tages schlecht um die Ersparnisse dieser Bundesbürger aussehen. Der Kampf gegen die Altersarmut in einigen Jahrzehnten wird damit sicher nicht gewonnen werden können. Finanzielle Probleme der Rentner zukünftiger Generationen sind damit heute schon vorprogrammiert.

Forsa befragte Finanzentscheider

Für die Studie zum Anlegerverhalten im 2. Quartal 2014 hat das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten befragt. Das Alter der Befragten lag dabei zwischen 20 und 59 Jahren, die Befragten mussten mindestens eine Anlageart halten. Die Daten für das genannte Quartal wurden von Forsa im Zeitraum vom 2. Mai bis 9. Mai dieses Jahres erhoben. Werte, die zusammengerechnet keine 100 Prozent ergaben, ergaben sich aus der Unschlüssigkeit der Befragten. Die Anleger-Studie wird jedes Quartal neu erstellt.

Quelle: Deutsche Bundesbank