Sparbriefe

Wie funktionieren Sparbriefe und welche Arten gibt es?

Neben dem Sparbuch existieren noch weitere Finanzprodukte zur sicheren Vermehrung der eigenen Ersparnisse. Zu diesen Finanzprodukten zählt auch der so genannten Sparbrief. Dieser verkörpert eine festverzinsliche Form der Geldanlage, was für den Sparer bzw. Anleger bedeutet, von einer hohen Planungssicherheit sowie einer festen Rendite profitieren zu können. Genau genommen basiert der Sparbrief auf einem ganz einfachen Prinzip: Der Sparer erwirbt einen Sparbrief und weiß bereits zum Zeitpunkt des Erwerbs, wann ihm das Kapital wieder zur Verfügung stehen und wie hoch die Verzinsung ausfallen wird.

Die einzelnen Kreditinstitute bieten den Sparbrief gleich in mehreren Varianten an. In den meisten Fällen wird er vom Sparer zu einem festen Preis erworben, zu welchem er später vom Kreditinstitut auch wieder zurückgenommen wird. Hier gibt es jetzt noch die Möglichkeit, sich die Zinsen jährlich auszahlen zu lassen (so genannter ausschüttender Sparbrief) oder sich die Zinsen einmalig bei Rücknahme des Sparbriefes durch die Bank auszahlen zu lassen.

Entscheidet sich der Sparer für eine einmalige Zinszahlung am Ende der Laufzeit, unterscheidet man zwischen aufgezinstem und abgezinstem Sparbrief.

Aufgezinster Sparbrief

Beim aufgezinsten Sparbrief wird dem Sparer am Ende der Laufzeit der Nennwert des Sparbriefes zuzüglich der aufgelaufenen Zinsen ausgezahlt.

Abgezinster Sparbrief

Beim abgezinsten Sparbrief erwirbt der Sparer die Urkunde zu einem niedrigerem als dem Rücknahmepreis. Die Differenz zwischen Ausgabe- und Rücknahmepreis stellt die Verzinsung des Sparbriefes dar.

Steuerliche Aspekte

Bei der Wahl eines Sparbriefes kann es für den Sparer durchaus von Bedeutung sein, auf dessen Art zu achten. Werden beim normalen Sparbrief die Zinsen jährlich ausgeschüttet, erfolgt die Zinszahlung bei aus- und abgezinstem Sparbrief am Ende der Laufzeit. Dadurch können sich so hohe Zinsbeträge ansammeln, dass sie den Sparerpauschbetrag von 801 Euro pro Person und Jahr übersteigen, was entsprechende Steuerzahlungen zur Folge haben kann. Dazu ein einfaches Beispiel:

Ein Sparer hat die Wahl, 10.000 Euro in einen Sparbrief anzulegen. Der Zinssatz beträgt 4,50 Prozent pro Jahr und die Laufzeit soll fünf Jahre betragen. Zur Auswahl stehen ein jährlich ausschüttender Sparbrief und ein aufgezinster Sparbrief. Dem Sparer steht weiterhin der gesamte Sparerpauschbetrag von 801 Euro zur Verfügung.

Der Zinsertrag beim jährlich ausschüttenden Sparbrief beträgt 450 Euro pro Jahr. Dieser Betrag liegt deutlich unter dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro. Unser Sparer kann also die gesamten jährlichen Zinsen steuerfrei vereinnahmen. Nach Ablauf der fünf Jahre hat er also 5 x 450 = 2.250 Euro Zinsen erzielt.

Beim aufgezinsten Sparbrief erfolgt die Zinszahlung am Jahresende wobei die jährlich aufgelaufenen Zinsen über die Laufzeit mit verzinst werden (so genannter Zinseszinseffekt). Am Ende der Laufzeit bekommt der Sparer also seine 10.000 Euro Nominalwert und insgesamt 2.461,82 Euro Zinsen ausgezahlt. Dieser Zinsertrag liegt deutlich über dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro. Unser Sparer muss also auf (2.461,82 – 801 Euro) = 1.660,82 Euro Abgeltungssteuer in Höhe von 26,375 Prozent (25 Prozent zzgl. 5,50 Prozent Soli-Zuschlag) entrichten – in Summe also 438,04 Euro. Der Zinsertrag nach Steuern beträgt dadurch nur noch 2.461,82 Euro – 438,04 Euro = 2.023,78 Euro.

Jährlich ausschüttender
Sparbrief
Aufgezinster
Sparbrief
Laufzeit 5 Jahre
Zinssatz 4,50 Prozent pro Jahr
Zinsertrag gesamt 2.250 Euro 2.461,82 Euro
davon zu versteuern 0,- Euro, da nur 450 Euro
Zinsen pro Jahr
2.461,82 – 801 Euro
= 1.660,82 Euro
Steuern 0,- Euro 438,04 Euro
Zinsertrag nach Steuern 2.250 Euro 2.023,78 Euro

Wie einleitend bereits erwähnt wurde bestehen zwischen Sparbrief und Sparbuch gewisse Unterschiede. Der größte Unterschied besteht darin, dass das eingezahlte Kapital dem Sparbriefinhaber nicht mehr bzw. erst am Ende der Laufzeit wieder zur Verfügung steht. Aufgrund der fest vereinbarten Laufzeit erhält der Anleger eine geringfügig bessere Verzinsung. Dies gilt zumindest so lange wie sich die Zinsmärkte nicht verändern. Sollte das allgemeine Zinsniveau steigen, kann die Sparbuchverzinsung angepasst werden – die Verzinsung des Sparbriefs wird hingegen nicht angepasst.

Welche Zinsen derzeit auf Sparbücher gezahlt werden, können interessierte Leser unserem Vergleich auf der folgenden Seite entnehmen:

Sparbücher im Vergleich >>>

Noch interessanter sind allerdings Tagesgeldkonten, bieten sie doch nicht nur die tägliche Verfügbarkeit, sondern oftmals noch deutlich höhere Zinsen als Sparbücher und den direkten Zugriff etwa mittels Onlinebanking. Auch für diese Sparform haben wir Ihnen einen Vergleich aktueller Zinsen aufgearbeitet:

Tagesgeldkonten im Vergleich >>>

Interessant ist es auch, sich die Entwicklung des in Sparbriefen angelegten Vermögens über die letzten Jahre anzuschauen. Dazu haben wir Ihnen nachfolgend eine Grafik aufbereitet:

Entwicklung des in Sparbriefen angelegten Geldvermögens deutscher Privathaushalte

Quelle: Deutsche Bundesbank

Die genauen Werte für die Entwicklung der Bestände an Termineinlagen privater Haushalte können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen:

Jahr /
Quartal
Wert in
Mrd. Euro
Jahr /
Quartal
Wert in
Mrd. Euro
Jahr /
Quartal
Wert in
Mrd. Euro
1991 1.Q 92,00 1997 3.Q 89,80 2004 1.Q 71,50
1991 2.Q 93,60 1997 4.Q 91,70 2004 2.Q 70,60
1991 3.Q 92,80 1998 1.Q 93,40 2004 3.Q 70,10
1991 4.Q 95,40 1998 2.Q 93,60 2004 4.Q 70,00
1992 1.Q 96,80 1998 3.Q 92,30 2005 1.Q 68,30
1992 2.Q 96,40 1998 4.Q 89,80 2005 2.Q 67,00
1992 3.Q 95,80 1999 1.Q 84,20 2005 3.Q 65,30
1992 4.Q 97,20 1999 2.Q 81,90 2005 4.Q 65,40
1993 1.Q 95,80 1999 3.Q 80,10 2006 1.Q 66,10
1993 2.Q 93,60 1999 4.Q 79,90 2006 2.Q 67,20
1993 3.Q 91,00 2000 1.Q 77,00 2006 3.Q 69,50
1993 4.Q 89,10 2000 2.Q 76,60 2006 4.Q 72,40
1994 1.Q 83,00 2000 3.Q 76,40 2007 1.Q 77,30
1994 2.Q 81,20 2000 4.Q 77,50 2007 2.Q 81,50
1994 3.Q 80,40 2001 1.Q 78,40 2007 3.Q 86,70
1994 4.Q 84,80 2001 2.Q 78,50 2007 4.Q 93,00
1995 1.Q 90,60 2001 3.Q 78,30 2008 1.Q 96,60
1995 2.Q 91,60 2001 4.Q 76,10 2008 2.Q 100,30
1995 3.Q 90,90 2002 1.Q 75,40 2008 3.Q 104,40
1995 4.Q 91,10 2002 2.Q 76,20 2008 4.Q 110,20
1996 1.Q 87,80 2002 3.Q 76,30 2009 1.Q 104,40
1996 2.Q 87,30 2002 4.Q 76,00 2009 2.Q 93,60
1996 3.Q 87,90 2003 1.Q 74,00 2009 3.Q 83,80
1996 4.Q 89,80 2003 2.Q 72,50 2009 4.Q 78,30
1997 1.Q 89,60 2003 3.Q 71,10 2010 1.Q 75,70
1997 2.Q 90,10 2003 4.Q 71,70 2010 2.Q 74,90

Quelle: Deutsche Bundesbank

Wie man der oben stehenden Grafik entnehmen kann, hat sich das in Sparbriefen angelegte Geldvermögen deutscher Sparer in den letzten 19 Jahren nicht signifikant geändert bzw. ist in den letzten Jahren sogar zurückgegangen. Ein Grund dafür sind modernere Sparformen wie Festgeld- und Termingeldkonten, welche nach und nach dem Sparbrief immer mehr Konkurrenz machen. Das liegt zum einen an der oftmals höheren Verzinsung und zum anderen an der Möglichkeit, derartige Konten schnell und einfach übers Internet zu eröffnen.

Eine Auswahl aktueller Festgeldangebote stellen wir Ihnen auf unserer folgenden Seite vor:

>>> Festgeld-Vergleich <<<