Ratgeber zur Sicherheit verschiedener Anlage- und Sparformen

Wie sicher ist mein Geld? Eine Frage, die sich Anleger und Sparer angesichts der Ereignisse der letzten Wochen immer wieder stellen. Um diese Frage zu beantworten, wollen wir uns hier einmal genauer mit den Sicherungsmechanismen und Risiken der wichtigsten Spar- und Anlageformen befassen.

Grundsätzlich gilt dabei immer das Prinzip, dass eine höhere Rendite mit einem höheren Risiko erkauft werden muss, umgekehrt also die sichersten Anlageformen nicht auch die renditestärksten sein können.

Bundes-
wert-
papiere
Girokonto, Tagesgeld, Festgeld Lebens- /
Renten-
versich.
Anleihen Aktien und
Fonds
Zertifikate
Emittentenrisiko nein nein sehr gering ja nein ja
Kursrisiko nein nein sehr gering ja ja ja
Wechselkursrisiko nein nein nein nein bei Auslands-
werten
bei Auslands-
werten
Inflationsrisiko ja ja ja ja nein ja
Konjunkturrisiko nein nein sehr gering ja ja ja
Liquiditätsrisiko nein nein ja ja nein nein
Steuerliches Risiko nein nein nein nein nein ja
Sicherheit sehr hoch sehr hoch hoch mittel mittel niedrig

Bundeswertpapiere

Bundeswertpapiere gehören zu den sichersten Anlageformen überhaupt, denn für ihre Rückzahlung garantiert der Staat. Dieser kann – zum Beispiel über Steuererhöhungen oder neue Abgaben – bis zum Staatsbankrott Geld von seinen Bürgern einnehmen. Im Gegenzug gegen die hohe Sicherheit sind die Renditen von Bundeswertpapieren meist etwas niedriger als etwa die von guten Tages- oder Festgeldkonten. Bei Bundesanleihen ist es ebenso. Ihr Gegenstück in der freien Wirtschaft ist die Unternehmensanleihe, für deren Zinskupon und Rückzahlung das emittierende Unternehmen bürgt. Da das Risiko einer Unternehmenspleite höher ist als das eines Staatsbankrotts sind die Renditen von Staatsanleihen dementsprechend niedriger.

Inmitten von Bundesschatzbriefen und Bundesobligationen ist dabei die neue Tagesanleihe des Bundes besonders gefragt. Sie vereint attraktive Zinsen mit täglicher Verfügbarkeit und täglicher Zinsgutschrift. Sparer können so ihr Geld bei maximaler Sicherheit täglich verfügbar parken. Einzige Voraussetzung: sie eröffnen ein kostenloses Schuldbuchkonto bei der Finanzagentur des Bundes unter http://www.bundeswertpapiere.de.

Girokonten, Sparbuch, Sparbrief, Tagesgeld, Festgeld

Sicht-, Spar- und Termineinlagen zu denen Guthaben auf Girokonten ebenso wie das altbekannte Sparbuch oder Tages-, Fest- und Termingelder gehören, gelten als die sichersten Bankprodukte. Ihre Sicherheit wird nur noch von Bundeswertpapieren übertroffen, für welche der Staat garantiert.

In Deutschland sind die Einlagen von Kunden auf Girokonten, Tages-, Fest- und Termingeldern durch ein zweistufiges System geschützt (siehe dazu auch unseren Ratgeber zur Einlagensicherung). Zum einen garantiert der Staat über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) für 90 Prozent der Einlagen, jedoch begrenzt auf eine maximale Entschädigungssumme von 20.000 Euro pro Anleger. Da dies nicht ausreicht, eine Sparform als wirklich sicher zu bezeichnen, gibt es auf einer zweiten Stufe Sicherungsfonds und Haftungsverbunde von Banken, Sparkassen sowie Volks- Raiffeisen und Genossenschaftsbanken. Diese haften dann laut ihren Statuten für die nicht über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) abgesicherten Einlagen wie folgt:

  • Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppe
    Garantie für 100 Prozent der Sicht-, Spar- und Termineinlagen, ohne betragsmäßige Begrenzung
  • Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken
    Garantie für 100 Prozent der Sicht-, Spar- und Termineinlagen, ohne betragsmäßige Begrenzung
  • Bundesverband deutscher Banken
    Garantie für Einlagen bis zur Grenze von 30 Prozent des im letzten Jahresabschluss ausgewiesenen haftenden Eigenkapitals des kontoführenden Kreditinstituts pro Person
  • Bundesverband öffentlicher Banken
    Garantie für 100 Prozent der Sicht-, Spar- und Termineinlagen, ohne betragsmäßige Begrenzung
  • Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen
    Garantie für 90 Prozent der Einlagen, begrenzt auf maximal 20.000 Euro Entschädigungssumme pro Person
  • Sicherungseinrichtung der privaten Bausparkassen
    Garantie für 100 Prozent der Einlagen bis zu einer Summe von 250.000 Euro pro Person

Je nachdem, welchen Verband oder Verbund ein Kreditinstitut angehört, garantiert dessen Sicherungssystem für die Entschädigung der Anleger innerhalb der eben genannten Grenzen oder sogar unbegrenzt.

Wie dieses zweistufige Sicherungssystem bei Sicht-, Spar- und Termineinlagen funktioniert, zeigt Ihnen das nachfolgende Beispiel:

Ein Sparer hat bei seiner Hausbank 5.000 Euro Guthaben auf dem Girokonto und 20.000 Euro auf dem Sparbuch. Die Bank ist Mitglied im Sicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V.

Im Falle einer Pleite seiner Hausbank würde unser Sparer nun wie folgt entschädigt werden:

Sicherungssystem Entschädigungsanspruch Entschädigung
Entschädigungseinrichtung
deutscher Banken
90 Prozent, jedoch
maximal 20.000 Euro
20.000 Euro
Sicherungsfonds des
Bundesverbandes deutscher
Banken e.V.
30 % vom haftenden
Eigenkapital der Bank
5.000 Euro

Dieses ganze System der Einlagensicherung hat nur einen – gerne totgeschwiegenen – Haken: das Eigenkapital aller Kreditinstitute und damit auch die maximal für eine Entschädigung zur Verfügung stehenden Mittel sind weitaus niedriger als das Gesamtvolumen der Sicht-, Spar- und Termineinlagen deutscher Sparer, welches Ende 2007 rund 1.620 Milliarden Euro betrug.

Aus diesem Grund ist inmitten der aktuellen Finanzkrise der Bund mit einer Komplettgarantie für alle Einlagen privater Anleger bei inländischen Banken eingesprungen. Zwar weiß bis jetzt keiner so genau, wie der Bund – dessen Kassen chronisch leer sind – im Ernstfall diese Unsumme aufbringen will, aber dafür stehen ihm ja Mittel wie Steuererhöhungen, eine Sonderabgabe oder ähnliches zur Verfügung.

Lebensversicherungen

Rund 1.160 Milliarden Euro hatten die Deutschen Ende 2007 in Lebens- und Rentenversicherungen angelegt. Angesichts dieser Summe ist die Frage nach der Sicherheit des in solche Verträge investierten Geldes mehr als berechtigt.

Der Großteil der Einzahlungen, welche Versicherungsnehmer in eine Lebens- oder Rentenversicherung vornehmen, wird von den Versicherern in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Lediglich ein geringer Prozentsatz wird in Aktien und andere Produkte angelegt, weshalb man hier von einer hohen Sicherheit sprechen kann.

Dafür spricht auch die Garantieverzinsung, welche zwar bereits mehrfach gesenkt wurde, dies aber innerhalb der letzten Jahre und völlig unabhängig von Finanzkrisen und ähnlichem.

Der Versicherungsnehmer hat im Grunde eine Kapitalgarantie sowie eine Mindestverzinsung zum Laufzeitende.

Bislang ist auch noch kein Fall in der Geschichte der Bundesrepublik bekannt, in dem Kunden von Lebens- oder Rentenversicherungen Verluste durch eine Pleite der Versicherung erlitten haben.

Anleihen

Anleihen sind wie Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen. Sie werden in ihrer typischen Form zu einem Kurs von 100 Prozent emittiert (auf den Markt gebracht), mit einem festen Zinskupon versehen und am Ende der Laufzeit zu einem Kurs von 100 Prozent wieder zurückgekauft.

Während der Laufzeit kann der Kurs einer Anleihe natürlich schwanken, es liegt also ein Kursrisiko vor, falls man das Papier während seiner Laufzeit veräußern will. Auch die Zinszahlung kann bei entsprechend schlechter Wirtschaftslage des emittierenden Unternehmens ausgesetzt werden, was zu einem Zinsrisiko führt.

Dazu kommt das so genannte Emittentenrisiko, denn geht das emittierende Unternehmen während der Laufzeit der Anleihe pleite, wird es schwierig, Geld für die Anleihe zu bekommen, da sich der Anleger dann in die meist lange Schlange der Gläubiger einreihen darf.

Das Zins- und Emittentenrisiko kann man minimieren, indem man nur in Anleihen von Gläubigern mit ausgezeichneter Bonität investiert, etwa weltweit tätigen Industrieunternehmen oder anderen, solide aufgestellten Firmen.

Aktien und Investmentfonds

Aktien und Investmentfonds gehören im Falle des Konkurses einer Bank zum Sondervermögen. Sie sind Eigentum des Kunden und gehen nicht in die Insolvenzmasse ein. Da sie immer bei einer von der kontoführenden Bank unabhängigen Depotbank gelagert werden, können Anleger im Konkursfall sofort einen Umzug ihres Depots zu einer anderen Bank veranlassen. Das geht sogar dann, wenn über die Bank ein so genanntes Moratorium verhängt wurde, welches bis zu sechs Wochen dauern kann und währenddessen kein Zugriff auf Geld möglich ist, welches bei der betroffenen Bank als Sicht-, Spar- oder Terminguthaben geführt wird.

Allerdings unterliegen Aktien und Investmentfonds immer einem Kursrisiko, denn ihre Notierungen werden täglich an den Börsen festgestellt und können zum Teil erheblich vom Kaufkurs abweichen.

Dafür stellen sie Investitionen in Sachwerte dar, denn hinter jeder Aktie steckt ein Unternehmen mit entsprechenden Unternehmenswerten (Ausrüstungen, Produkten, Immobilien etc.). Dadurch sind Aktien und Investmentfonds nicht vom Inflationsrisiko betroffen, denn der Geldwert der dahinter stehenden Unternehmen steigt automatisch um die Inflationsrate.

Zertifikate

Bei Zertifikaten gilt dasselbe, wie für Anleihen. Auch sie sind Inhaberschuldverschreibungen. Der Anleger geht mit ihrem Kauf also immer ein Emittentenrisiko ein. Geht der Emittent pleite, kann der Anleger nur aus der Konkursmasse befriedigt werden, was meist einen Verlust des Großteils oder sogar des gesamten im Zertifikat angelegten Geldes zur Folge hat.

Zum Emittentenrisiko gesellt sich dann noch das Kursrisiko, denn Zertifikate sind keine festverzinslichen Wertpapiere und müssen – zumindest in ihrer Urform – auch nicht bei Laufzeitende zum Ausgabekurs zurückgekauft werden.

Wer sein Geld also in Zertifikate investieren will, sollte vor allem auf die Bonität des Emittenten achten und sich Papiere heraussuchen, deren Funktionsweise er versteht und deren Risikoprofil zu seinem eigenen passt.